Kommunikationssperren

Kennst du schon die Kommunikationssperren?

Als ich sie kennenlernte, waren für mich einfach ein absolutes „Aha!-Erlebnis“.
Meine Tochter morgens nach dem Frühstück: „Ich will nicht in die Kita.“ Sie geht sonst super gerne hin, daher ist diese Aussage eher ungewöhnlich für sie. Ich antwortete: „Aber da kannst du doch mit deinen Freundinnen spielen.“
Ups, da ist mir eine klassische Kommunikationssperre rausgerutscht.

Häufig geben wir typische Antworten, wie:
„Du musst aber dorthin.“
„Was ist denn gestern in der Kita vorgefallen?“
„Alle gehen in die Kita.“
„Du bist jetzt einfach nur müde, aber das geht nachher weg.“
„Aber heute Nachmittag gehen wir doch in den Wildpark, das macht dir immer Spaß.“
„Deine Freundin wird ganz traurig sein, wenn du nicht kommst.“
„Wenn du jetzt nicht mitkommst, darfst du morgen auch nicht zum Geburtstag deiner Freundin.“

Diese Antworten blockieren das Gespräch. Meine Tochter zeigt mir mit ihrer Aussage, dass sie ein Problem hat. Stell dir vor, du bist das Kind und bekommst diese Antworten von deinen Eltern. Helfen sie dir weiter? Fühlst du dich verstanden?

Ich denke, dass all diese typischen Aussagen nicht wirklich zur Lösung des Problems beitragen. Doch wie kann ich meinem Kind beistehen, wenn es ein Problem hat? So, dass es sich verstanden fühlt und sein Problem lösen kann?

Indem ich zuhöre!

Ich schwenkte also um und fragte:
Ich: „Du magst heute nicht hingehen?“
Anni: „Die anderen mögen mich nicht.“
Ich: „Du glaubst, dass dich dort keiner leiden kann?“
Anni: „Max ärgert mich immer.“
Ich: „Max hat dich geärgert und das magst du nicht.“
Anni: „Lisa ärgert mich nicht.“
Ich: „Mit Lisa spielst du lieber?“

Anni dreht sich um und holt etwas aus ihrem Zimmer. Dann gehen wir vergnügt in die Kita. Ich bin verwundert, dass sich ihr Problem allein dadurch aufgelöst hat, dass sie darüber reden konnte.

Das Wissen um die Kommunikationssperren und das wirksame Zuhören ist für mich so unendlich wertvoll. Dadurch lösen sich viele Situationen mit Konfliktpotential einfach auf. Ich verstehe viel besser, was meine Tochter gerade braucht, so dass wir eine Lösung finden können, die wirklich zu ihrem Problem passt. Und auch in meiner Partnerschaft führt das Vermeiden der Kommunikationssperren zu viel mehr gegenseitigem Verständnis und tieferen Gesprächen.

Sicherlich rutschen auch mir immer noch Kommunikationssperren raus. Sprachmuster, die ich über viele Jahre verinnerlicht habe, lösen sich nicht an einem Tag auf. Doch mir fällt es auf, wenn ich eine Kommunikationssperre schicke und dann kann ich aufs Zuhören umschalten.

Mein Weg für Situationen in denen jemand zu mir kommt, der ein Problem hat: Ich lasse mich auf den anderen und sein Problem ein. Höre ihm zu und sende ihm seine Gefühle und Erlebnisse in Worten zurück. Lass meine Gedanken, Ideen und Ratschläge bei mir, bis ich ausdrücklich darum gebeten werde.